Deshalb wurde Campbell nach seiner Pensionierung zur Kassandra des Ölgeschäfts. Unermüdlich warnt er vor dem herannahenden Ende des Ölzeitalters und den Folgen der Verknappung. Dazu gründete er die Forschungsgesellschaft Association for the Study of Peak Oil and Gas (Aspo). Denn darum geht es: Wenn „Peak-Oil“, also das Maximum der globalen Erdölförderung, erreicht ist, geht es mit der Erzeugung von Ölprodukten bergab, mit den Preisen aber steil nach oben. „Und den Gipfel für konventionelles Erdöl“, sagt Campbell, „haben wir nach unseren Analysen schon 2005 erreicht.“
Campbell läutet nicht allein die Alarmglocken. Auch Werner Zittel von der Technologieberatungsfirma Ludwig Bölkow Systemtechnik in Ottobrunn ist sicher, dass das Fördermaximum bereits erreicht wurde – und zwar 2006, als die Produzenten 81 Millionen Fass pro Tag aus der Erde holten (1 Fass = 159 Liter). Seitdem sinkt die Fördermenge. Im Jahr 2020 soll sie bei nur noch 58 Millionen Fass liegen. Dies ergab eine
im Mai veröffentlichte Studie der Energy Watch Group (EWG), an der Zittel als Co-Autor mitwirkte.
Selbst die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem Anfang Juli vorgelegten
„Mittelfristigen Ölmarkt-Report“, der die Entwicklung von Nachfrage und Angebot bis 2013 prognostiziert, dass die Ölversorgung in fünf Jahren deutlich hinter dem Bedarf zurückbleiben werde. Dabei schrieb sie noch in ihrem „Weltenergieausblick 2007“, die Versorgung lasse sich bis 2030 sichern – selbst bei dem bis dahin geschätzten gewaltigen Verbrauch von 115 Millionen Fass pro Tag.
Die neuen Analysen lassen die alte Debatte um Peak-Oil wieder aufleben. In der Fachwelt waren Aussagen über den Zeitpunkt der Ölwende und die noch verbleibenden Reserven stets heftig umstritten. Denn niemand weiß genau, wie viel von dem schwarzen Gold noch im Boden steckt. Die Bewertungs- und Berechnungsmethoden für Lagerstätten sind sehr unterschiedlich, zudem müssen Geologen meist aus nur wenigen Explorationsbohrungen auf die in einem Feld enthaltene Ölmenge schließen. Dazu nutzen sie statistische Verfahren, die naturgemäß sehr ungenau sind.
Daneben machen insbesondere die in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) paktierenden Förderstaaten „politische Angaben“ über ihre nachgewiesenen Reserven.